Büro Rickert GmbH - Dieter Rickert & Robert Harich
FAS
DIETER RICKERT ÜBER NAHLES‘ CHANCEN IN DER WIRTSCHAFT

„Sie wäre eine wunderbare Lehrerin“

Was wird jetzt aus Andrea Nahles? Finanziell muss sie sich keine Sorgen machen, aber wo findet sie einen neuen Job? Wir haben uns bei Headhuntern umgehört. Von Georg Meck

Andrea Nahles hat seit Teenie-Tagen alles auf eine Karte gesetzt: die Politik. „Bundeskanzlerin oder Hausfrau“ gab sie in der Abitur-Zei tung als Berufsziele an. Bis an die Klippe zur Kanzlerkandidatin hat es die Maurer-Tochter aus der Ei fel immerhin ge bracht. Nun liegt die Karrie re in Trümmern. Was also tun? Mit Ende 40 ist sie zu jung für den Ruhestand, ins gewöhnliche Erwerbsleben aber kann sie nicht zurück, das hat sie noch nie erlebt. „Sie könnte ja noch ihren zweiten Traumjob ergreifen: Hausfrau“, sagt Dieter Rickert, legendärer Headhunter und ein Lästermaul vor dem Herrn. Der Münchner Personalberater hält Politiker generell für wenig geeignet als Spitzenkräfte in der Wirtschaft. „Von der Arbeit in einem DaxVorstand haben selbst ehemalige Minister keine Ahnung“, sagt Rickert. Er empfiehlt nur Leute für Top-Jobs, die ähnliche Aufgaben schon nachweisbar mit Erfolg geschafft haben. Politiker fallen im Zweifel nicht darunter. Nicht mal, wenn sie, wie Andrea Nahles einst als Arbeits- und Sozialministerin, den höchsten Etat im Bundeshaushalt verantwortet haben. „Selbst wenn ein Minister Milliarden im Haushalt stehen hat und Tausende Beamte im Ministerium unter ihm stehen, ist das nicht zu vergleichen mit einem Unternehmen.“

Naturgemäß hört das kein Polit-Star auf Jobsuche gerne. Rickert aber bleibt dabei: Keine Verwendung in der freien Wirtschaft! Über den ehemaligen CSU-Chef Edmund Stoiber hat er einst gelästert, er könne nach dem Abschied aus dem Amt allen falls eine Rolle im Transrapid-Marketing übernehmen. Auch den Hessen Roland Koch (CDU) hat er vor dem Ehrgeiz gewarnt, vom Ministerpräsidenten-Thron auf den Chefposten zu wechseln, es ging dann auch nicht lange gut bei Bilfinger. Koch und sein ehemali ger Arbeitgeber streiten bis heute, sein Geld verdient der ehemalige Politiker heute als Anwalt und Aufsichtsrat. Als Jurist hat er es da einfacher als die Germanistin Nahles, die sich, abgesehen von einer kurzen Station in der IG Metall, zeit ihres Lebens auf das Fortkommen in der SPD konzentriert hat.

Mit einem Vorstands posten wird es da schwer, urteilt Rickert kühl: „Keine Chance, höchstens in gemeinnützigen Organisationen oder im Gewerkschaftsumfeld.“ Am besten wäre es laut dem Altmeister, Nahles steckt ihre Ziele ganz neu, packt zu ihrem Germanistik-Studium etwas Pädagogik oben drauf und geht an eine Schule. „Andrea Nahles könnte eine wunderbare Lehrerin werden. Sie kann reden, weiß, wie die Gesellschaft funktioniert, und könnte der Jugend sehr weiterhelfen.“