FAS
Die Quote ist wie ein Auto ohne Sprit

Die Einlassungen der beiden Professorinnen zeigen exemplarisch den Unterschied zwischen akademischer Theorie und lebensnaher Praxis.

Die angeführten „Studien“ für die ökonomische Effizienz von Frauen in Vorständen vergleichen samt und sonders Äpfel mit Birnen. Auch wer von Frauen als Erfolgsfaktor für die Erzielung von guten Unternehmenszahlen überzeugt ist, wird nicht bestreiten können, dass es noch ein paar weitere Einflussfaktoren auf die EBIT-Rate gibt: Branche, Wettbewerbsposition, Unternehmensgröße, Diversifizierungsgrad, Internationalität, Gesellschafterstruktur, Kapitalausstattung und vieles mehr. Als zu untersuchende Gesamtheit für eine wissenschaftliche Studie taugen deshalb weder die genannten Top 100 börsennotierten Unternehmen, noch die im DAX versammelten. Um den Fraueneinfluss isoliert nachzuweisen, müsste man eine Gruppe von Unternehmen bilden, bei denen alle genannten Erfolgsfaktoren gleich ausgeprägt sind und dann die Ergebnisse der Firmen mit und ohne Frauen vergleichen. Das ist praktisch unmöglich. Die beiden Professorinnen wissen das und verweisen hilfsweise auf die schiere Anzahl der von ihnen bevorzugten „Studien“, die in Wirklichkeit eine Ansammlung von Thesenpapieren sind ohne durchschlagende wissenschaftliche Beweiskraft. Man kann den Erfolgsanteil „Frau“ eben nicht isolieren und messbar machen.

Was die Praxis betrifft, bleibe ich bei meiner jahrzehntelangen Erfahrung, dass aus vielen bekannten Gründen, die durch die Quotenverfechter negiert werden, nicht genügend qualifizierte Frauen auf der zweiten oder dritten Führungsebene ankommen, um mit Aussicht auf Erfolg auf die erste Ebene befördert zu werden. Der Grund dafür liegt nicht in geschlossenen und eisern verteidigten Machtzirkeln der Männer. Männer wollen den wirtschaftlichen Erfolg und wenn Ihnen eine qualifizierte Frau dabei eher behilflich sein kann als der beste zur Verfügung stehende Mann, dann wählen sie die Frau. Alles andere ist lebensfremd und unterstellt den Männern ein Grad an Dämlichkeit, mit dem sie es nie nach ganz oben geschafft hätten.

Fazit: tüchtige Manager sind ein rares Gut. Je größer dieser Pool wird, umso besser. Deshalb bin ich für qualifizierte Frauen in den Vorständen. Sie künstlich dahin zu befördern muss zurzeit noch qualitätsmindernd wirken. Zu glauben, dass allein die Diversität als solche schon gewinnsteigernd wirkt, halte ich für ein unbewiesenes Ammenmärchen. Die Quote soll ein Ergebnis vorwegnehmen, für das die Voraussetzungen fehlen. Das Verhältnis von Ursache und Wirkung wird auf den Kopf gestellt. Ein Auto ohne Sprit fährt nur, wenn man es schiebt. Das kann man mal machen, es bleibt aber generell unsinnig.

Dieter Rickert, 80, ist Personalberater in München.